SPD-Ortsverein Hornberg diskutiert im Hotel Schloß Hornberg über Ukraine, Nahost, Sudan, Europa und Deutschlands Verantwortung
Unter dem Titel „Außenpolitik im Umbruch – Neue Weltlage, neue Antworten“ hatte der SPD-Ortsverein Hornberg am Montag, 15. Juni 2026, ins Hotel Schloß Hornberg eingeladen. 29 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, mit der Bundestagsabgeordneten Derya Türk-Nachbaur über die großen außenpolitischen Herausforderungen unserer Zeit ins Gespräch zu kommen.
Derya Türk-Nachbaur ist Außenpolitikerin, Mitglied des Deutschen Bundestages und Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Bundestagsfraktion. In ihrem Impuls machte sie deutlich: Außenpolitik beginnt nicht erst irgendwo weit weg. Konflikte, Kriege und internationale Krisen wirken längst bis in unseren Alltag hinein – bei Energiepreisen, Lebensmitteln, Sicherheit, Migration, Handel und wirtschaftlicher Stabilität.
Im Mittelpunkt standen der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, die Lage im Nahen Osten, die Entwicklung im Iran und Libanon, die Rolle Europas in einer zunehmend unsicheren Weltordnung sowie die Frage, welche Verantwortung Deutschland übernehmen kann und muss. Dabei wurde deutlich: Viele Krisen scheinen auf den ersten Blick weit entfernt. Ihre Folgen spüren aber auch die Menschen hier vor Ort – im eigenen Haushalt, im Geldbeutel und in der politischen Debatte.
Türk-Nachbaur erinnerte daran, dass Deutschland seit der von Olaf Scholz 2022 ausgerufenen „Zeitenwende“ außen- und sicherheitspolitisch vor neuen Entscheidungen steht. Deutschland sei nicht unmittelbar Kriegspartei, unterstütze die Ukraine aber indirekt durch Waffenlieferungen, Ausbildung und politische Solidarität. Gerade deshalb müsse Politik offen erklären, warum solche Entscheidungen getroffen werden und welche Verantwortung daraus erwächst.
Ein Schwerpunkt des Abends war der offene Austausch über Völkerrecht, Glaubwürdigkeit und internationale Doppelstandards. Diskutiert wurde unter anderem, warum der russische Angriff auf die Ukraine sehr klar als völkerrechtswidrig benannt wurde, während andere internationale Konflikte in der öffentlichen Debatte oft weniger eindeutig bewertet werden. Türk-Nachbaur machte deutlich, dass demokratische Außenpolitik Klarheit, Haltung und zugleich diplomatische Gesprächsfähigkeit brauche – auch mit schwierigen Partnern.
Intensiv gesprochen wurde auch über die Lage im Sudan. Türk-Nachbaur beschrieb die dortige humanitäre Katastrophe als eine Krise, die in Deutschland viel zu wenig Aufmerksamkeit erhalte. Millionen Menschen sind vertrieben, Milizen kämpfen gegeneinander, es gibt Berichte über schwere Kriegsverbrechen, sexualisierte Gewalt, Kindersoldaten, Verschleppungen und das gezielte Aushungern von Bevölkerungsgruppen. Der Satz „Kiew ist uns näher als Khartum“ brachte die Herausforderung auf den Punkt: Politische und mediale Aufmerksamkeit folgt oft nicht allein dem Ausmaß menschlichen Leids.
Auch die Rolle der Vereinten Nationen wurde kritisch beleuchtet. Die UN seien reformbedürftig, aber trotz aller Schwächen weiterhin das Beste, was die internationale Gemeinschaft zur Friedenssicherung habe. Gerade deshalb sei es problematisch, wenn Staaten internationale Regeln nur dann anerkennen, wenn es den eigenen Interessen dient. Die jüngste Niederlage Deutschlands bei der Bewerbung um einen Sitz im UN-Sicherheitsrat wurde als Warnsignal diskutiert: Deutschland müsse international noch stärker werben, zuhören und Vertrauen aufbauen – insbesondere gegenüber Staaten des globalen Südens.
In der Diskussion ging es außerdem um wirtschaftliche Abhängigkeiten. Außenpolitik sei immer auch Innenpolitik, so ein zentraler Gedanke des Abends. Wer über Gas und Öl spreche, müsse auch über Düngemittel, Lieferketten, Handelswege und Lebensmittelpreise sprechen. Entwicklungen an strategisch wichtigen Orten wie der Straße von Hormus können direkte Auswirkungen auf die Wirtschaft und damit auf die Menschen in Deutschland haben.
Bei allen schwierigen Themen blieb der Abend geprägt vom offenen Dialog. Viele Fragen aus dem Publikum drehten sich darum, wie Deutschland Haltung zeigen kann, ohne Gesprächskanäle abzubrechen, welche Rolle Europa künftig spielen muss und wie internationale Ordnung in einer Welt funktionieren kann, in der alte Sicherheiten brüchig geworden sind.
Vor dem außenpolitischen Teil des Abends gab es außerdem einen besonderen Moment für den SPD-Ortsverein Hornberg: Dieter Sapia wurde für 50 Jahre Mitgliedschaft geehrt. Werner Braun blickt auf 60 Jahre SPD-Mitgliedschaft zurück. Er berichtete, dass er einst aus Zell kam, für den Gemeinderat kandidierte und aktiv von Erich Haas und Martin Lehmann für die SPD geworben wurde. Beide Ehrungen zeigen, wie stark politisches Engagement vor Ort von Menschen lebt, die über Jahrzehnte Verantwortung übernehmen.
Zum Abschluss wurde auch der Blick auf die aktuelle politische Lage in Baden-Württemberg und den laufenden Wahlkampf gerichtet. Dabei wurde deutlich: Die SPD will mit klarer Sprache, neuen Impulsen und offenem Dialog wieder stärker sichtbar werden – vor Ort, im Land und im Bund.
Der SPD-Ortsverein Hornberg bedankt sich herzlich bei Derya Türk-Nachbaur für den spannenden Impuls, bei allen Gästen für die engagierte Diskussion und bei den Jubilaren für ihre langjährige Treue und ihren Einsatz für die Sozialdemokratie.
Außenpolitik wirkt bis nach Hornberg. Gerade deshalb braucht es Orte, an denen offen gefragt, diskutiert und gestritten werden kann. Dieser Abend hat gezeigt: Das Interesse daran ist groß.